Donnerstag, 18. September 2008

Fülle


Gestern las ich über Karl Wolfskehl, ein deutsch-jüdischer Dichter, der 1938 nach Australien ins Exil zog.  Es ist spannend zu sehen, wie andere Europäer Sydney erleben. Was er über Sydney schrieb, spricht mir aus dem Herzen:

"Die paar Tage gehen jetzt zu Ende, sie waren sehr angefüllt - Menschliches, Landschaftliches, das starke reiche Leben der grossen Stadt, der unvergessliche Hafen, die herrliche überall durchbrechende und auch im sogenannten Winter noch blütenbunte Vegetation - all das hast es uns sehr angetan, und ich habe eine freilich süsse Müh all die Füller neuer Eindrücke in mir zu ordnen. Sydney sieht mich derart an, dass ich am liebsten hier bleiben würde, zunächst heisst es auf nach Neuseeland.
(...)
Es kam alles zusammen, was unsereiner braucht, bot sich dar, erleichterte, beschwingte.
Eine unvergleichlich schöne Stadt, atmend, pochend, ja überquellig inmitten grossartiger doch anmutsvoller Gelände. Und, wie es der Zufall wollte, führte er aus all dem übervielen heraus mir die paar Leute zu, die ich nötig hatte, in deren Sein und Zusammenhang das Wesentliche zusammenfasst, mir lieb wurde oder verständlich."

Als ich das gelesen habe, dachte ich, wow, genau so erlebe ich hier auch vieles. 
Der Hafen ist unvergesslich, die Stadt ist pochend, und doch hat es frischen Wind zum atmen, die Stadt quillt über an Fülle von Natur, Kultur, Essen, Menschen etc etc. Diese Stadt scheint schon früher Leute in ihren Bann gezogen zu haben.  Auch ich bin von ihr erfüllt und muss ab und zu alle Eindrücke etwas ordnen. Und es ist wahr, diese Stadt erleichtert und beschwingt!! Genau so erleb ich das. Hier steht das Leben im Vordergrund, und nicht das Leben, das man haben könnte, wenn man Karriere etc hat. Hier ist das Leben auch ohne Topkarriere schön, da muss man nicht auf morgen warten, um zu leben. Das ist schön, und man kann es leichter nehmen, weil man weiss, man ist mittendrin und muss nicht vieles auf später verschieben. 
Und auch tolle Leute habe ich getroffen, die ich sonst nie getroffen hätte und das macht so reich. Freunde auch am anderen Ende der Welt zu haben, zeigt, dass wir überall gleich sind auf der Welt und es zeigt, wie sehr wir unserer Welt Sorg geben müssen. Sie ist so klein eigentlich. Und überall auf ihr gefährden wir sie mit den gleichen Dingen. 
Und auch den Gedanken des hierbleiben wollen, kann ich gut nachvollziehen. Was diese Stadt wohl hat, dass man sie gern bekommt? 
Am Flughafen bin ich angekommen an einem kalten Wintermorgen und wusste nicht, was mich erwartet. 
Aber der Himmel war schon offen und weit..... und voller Möglichkeiten und Freiheit.  

Ein grosser Teil des Reichtums seid ihr. Zu wissen, dass es so tolle Menschen gibt, die einem nahe sind!
Ich denke jeden Tag an euch. Hebt euch Sorg.

1 Kommentar:

Marco hat gesagt…

Mir geht es gleich! Zu wissen, dass du da drüben und glücklich bist! :-)